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LOINC30894-0
Methode

Berechnung

Bemerkungen

Der Aldosteron Renin Quotient (ARQ) ist der empfohlene Screening-Test bei Verdacht auf einen primären Hyperaldosteronismus (PA), einer häufig unterdiagnostizierten Ursache der sekundären Hypertonie. Ein erhöhter ARQ deutet auf eine von Renin unabhängige, autonome Aldosteronproduktion hin, wie sie beim Conn-Syndrom (Aldosteron-produzierendes Adenom) oder bei einer idiopathischen, bilateralen Hyperplasie der Nebennieren vorkommen kann.

Die Festlegung eines allgemeingültigen Grenzwertes für den ARQ stellt eine grosse Herausforderung dar. Die diagnostische Aussagekraft des Tests ist von der Patientenpopulation, den verwendeten Analysemethoden, den präanalytischen Bedingungen und den jeweiligen Grenzwerten abhängig. Dies erklärt die grosse Bandbreite an publizierten Grenzwerten. Ein gemäss unserer Angaben unauffälliger ARQ kann einen primären Hyperaldosteronismus daher nicht sicher ausschliessen. Ein auffälliger Befund erfordert in der Regel weitere funktionelle Bestätigungstests.

Die von uns empfohlene Konstellation (Aldosteron-Renin-Quotient > 50, Renin < 10 mU/l und Aldosteron > 280 pmol/l) dient als Orientierungshilfe, um jene Patienten zu identifizieren, bei denen eine weiterführende endokrinologische Abklärung am wahrscheinlichsten zu einer Diagnose führt. Sie stellt keinen absolut gültigen Grenzwert dar. Die Interpretation muss immer im klinischen Gesamtkontext unter kritischer Betrachtung der oben genannten Einflussfaktoren erfolgen.

Für eine korrekte Beurteilung des ARQ ist die Einhaltung standardisierter Bedingungen essenziell. Die folgenden Punkte sind potentielle Störfaktoren und sollten, wenn möglich, berücksichtigt werden:

  • Medikamente: Viele Antihypertensiva beeinflussen das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) und damit den ARQ.
  • Kaliumhaushalt: Eine Hypokaliämie hemmt die Aldosteronsekretion und kann zu einem falsch-niedrigen ARQ führen.
  • Salzzufuhr: Eine kochsalzarme Ernährung stimuliert die Renin-Ausschüttung und kann den ARQ falsch-niedrig beeinflussen.
  • Probenentnahme: Die Blutentnahme sollte morgens erfolgen, nachdem der Patient mindestens zwei Stunden auf den Beinen war. Unmittelbar vor der Entnahme sollte der Patient 5-15 Minuten sitzen
  • Probenstabilität: Eine inkorrekte Lagerung der Probe kann z.B. zu falsch hohen Reninwerten führen. Bitte beachten Sie die präanalytischen Angaben unter dem Eintrag zu Renin.
  • Einzelmessung: Eine einzelne Messung von Aldosteron und Renin kann aufgrund der erheblichen biologischen Variabilität (z.B. durch Stress oder Tageszeit) irreführend sein. Bei uneindeutigen oder grenzwertigen Ergebnissen kann eine Wiederholung der Messung unter standardisierten Bedingungen sinnvoll sein

Literaturangaben:
– Funder JW, Carey RM, Mantero F, et al. The Management of Primary Aldosteronism: Case Detection, Diagnosis, and Treatment: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2016;101(5):1889-1916. doi:10.1210/jc.2015-4061

– Hung A, Ahmed S, Gupta A, et al. Performance of the Aldosterone to Renin Ratio as a Screening Test for Primary Aldosteronism. J Clin Endocrinol Metab. 2021;106(8):2423-2435. doi:10.1210/clinem/dgab348